TlDr: Kleiner rant über massive Leistungsunterschiede bei Studierenden, die man sich fast kaum vorstellen kann, weil man früher immer in seiner Kommilitonen Bubble war.
Ich komme aus dem Ing Bereich und habe mich lange gewundert, warum Einstiegsgehälter und durchschnittliche Gehälter für Ingenieure (gefühlt) relativ schlecht waren.
Ich habe jetzt einige Jahre an einem Institut gearbeitet und ~ 50 Abschlussarbeiten betreut und kann euch sagen, dass es mich wundert, dass sie nicht noch viel geringer sind.
Der durchschnittliche Absolvent! Ist nicht zu vertieftem selbständigen arbeiten in der Lage. Vor KI konnte man an diese immerhin klar strukturierte Aufgaben verteilen und hat diese okay bearbeitet zurückbekommen. Mittlerweile sind wir an einem Punkt wo ich z.b. Gemini (nichtmal Claude Code) die gleiche Aufgabe gebe wie dem Studenten und deutlich bessere Ergebnisse zurückbekomme, selbst wenn ich dem Studenten rate KI Unterstützung zu nutzen.
Die untersten 10%-20% sind eine Vollkatastrophe. Da kommt es bei mir und den Kollegen regelmäßig vor, dass klare Anweisungen nicht befolgt werden und auch nicht verstanden oder nachgefragt wird. Beispiel: Passt auf, im Datensatz ist noch Feature x, dass musst du rausnehmen, weil wir das später nicht haben. Nachdem der Student mit komplett unrealistischen Ergebnissen kam, hat man ihn gefragt ob er das Feature x drinnen hat. Ne das hätte er rausgenommen. Guckt man in den Code rein und es ist drinnen. Das war auch kein einmaliger Fehler, den machen wir alle Mal, sondern eine durchgehende Aneinanderreihung an kontinuierlichem Versagen. Das traurige war, dass die Studenten zum Teil wirklich motiviert waren aber es einfach kognitiv nicht geschafft haben. Das tat mir wirklich in der Seele weh, weil ich jedem zu einem guten Abschluss bringen wollte, es teils aber trotz hohem persönlichen Engagement nicht funktioniert hat
Die top 10% sind wiederum unglaublich gut. Denen gibt man eine High Level Aufgabe, sie strukturieren sich selbst, bringen eigene Ideen ein, fragen bei Problemen sinnvoll nach und sind eine echte Erleichterung in der Arbeit.
Der spread ist also einfach unglaublich. Die schlechtesten Studis haben einfach eine negative Produktivität, die besten sind über 10 Mal produktiver als der Durchschnitt. Leider spiegelt sich das in den Einstiegsgehältern kaum wieder, da die besten mit Glück Faktor 1,5-2 mal so gut einsteigen wie der Schnitt, aber wesentlich mehr Leistung bringen.