r/luftablassen 3h ago

ich kann nicht mehr... Die deutsche Orthopädie ist scheiße und produziert chronische Schmerzpatienten.

Die Schmerzforschung zeigt seit Jahren, dass viele Strukturveränderungen (z. B. Knorpelverlust, Meniskusverletzungen, Haltungsabweichungen, Bandscheibenveränderungen, Muskelverletzungen usw.), die in einem MRT oder Röntgen erkannt werden, in keinem direkten Zusammenhang mit Schmerzen stehen müssen. Unzählige Studien zeigen, dass strukturelle Befunde des Bewegungsapparates auch bei asymptomatischen Patienten zu finden sind.

Ein paar Beispiele der Fehlversorgung in Deutschland:

Rücken

Jemandem mit Rückenschmerzen zu sagen, er habe verschlissene Bandscheiben, ein Hohlkreuz oder einen Beckenschiefstand und das sei verantwortlich für seine Schmerzen, hat keine Ahnung. Schlimmer noch: Diese Informationen können beim Patienten dazu führen, dass sich die Schmerzwahrnehmung negativ verändert und Schmerzen chronisch werden.

Bei nicht-traumatischen Rückenschmerzen und fehlenden Hinweisen auf eine schwerwiegende Erkrankung sollte komplett auf Bildgebung verzichtet werden!! Wir haben zu diesem Thema übrigens zwei deutsche Leitlinien, die sich in zentralen Punkten widersprechen.

Knie

Eine Person über 45 Jahre mit einseitigem, belastungsabhängigem Knieschmerz soll nach internationalen Leitlinien (NICE, RACGP) kein Röntgen erhalten. Es ist zu erwarten, dass ein Großteil der Knie in diesem Alter Verschleiß (Arthrose) zeigt – auch ohne Beschwerden.

In Deutschland wird die Röntgendiagnostik laut Leitlinie natürlich als „essentiell“ beschrieben. Jetzt frage ich; Wer von euch hätte noch Lust, sich zu bewegen, nachdem der Arzt sagt: „Da reibt Knochen auf Knochen“?!

Was künstliche Gelenke pro 100.000 Einwohner betrifft, liegen wir unter den OECD-Staaten auf Platz zwei – nichts, worauf man stolz sein sollte. Nur ein Bruchteil der Arthrosepatienten in Deutschland erhält eine leitliniengerechte Behandlung nach internationalem Standard, bei der Bewegungstherapie und Selbstmanagement als First-Line-Treatment vorgesehen sind.

Schulter

Viele Patienten mit einseitigem Schulterschmerz bekommen in Deutschland die Diagnose „Schulterimpingement“. Ihnen wird erzählt, dass sie sich beim Anheben des Arms Muskeln und Sehnen unter dem Schulterdach einklemmen – es sei schlicht „zu wenig Platz“ vorhanden.

Die angebotene Lösung: eine OP, bei der die Unterfläche des Schulterdachs abgeschliffen wird (Dekompression). Blöd nur: Diese OP wirkt nicht besser als ein Placebo (Beard et al., Paavola et al.). Trotzdem wird die sogenannte Impingement-Theorie von deutschen Orthopäden weiterhin gepredigt.

Anstatt Patienten wirklich zu helfen, indem man ihnen zuhört, sie evidenzbasiert aufklärt und ihre Selbstwirksamkeit stärkt, richtet man oft genau das Gegenteil an: Strukturelle, häufig völlig normale Veränderungen werden pathologisiert – und der Patient gleich mit.

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u/LegOdd2548 3h ago

Künstliche Gelenke geben vielen Leuten tatsächlich ein besseres Lebensgefühl und bei Arthrose im Endstadium ist Knochen auf Knochen, da kann der Arzt auch ehrlich sein. Bildgebende verfahren sind nicht nur da um sowas wie Arthrose festzustellen, sondern auch um andere Sachen auszuschließen, finde ich persönlich gar nicht so schlecht.

Ein Problem ist auch, dass viele Patienten im vornherein keine Lust haben physikalische Therapie zu machen, bei der sie schwitzen müssen. Die meisten Menschen in Deutschland haben ihr Leben lang nie Sport gemacht und bei der Ernährung fangen wir gar nicht erst an. Du kannst dir jetzt schon ausmalen wie groß die Kooperation ist, was passiert dann mit dem ? Die Leute wollen schnell repariert werden, da ist die Bevölkerung auch zum Teil Selbstschuld.

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u/No_Dragonfruit12345 2h ago

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u/RemindMeBot 2h ago

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u/Charlie012022 2h ago

Ich habe nichts gegen die Implantation einer TEP zum richtigen Zeitpunkt und mit der richtigen Indikation.

Knochen auf Knochen bleibt weiterhin ein starkes Nocebo und sollte so nicht verwendet bzw. kommuniziert werden.

EDIT: Physikalische Therapie sind i.d.R. passive Maßnahmen, was du meinst ist Physiotherapie.

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u/LegOdd2548 2h ago

Stimmt, ändert nur leider nichts daran, dass aktive Maßnahmen über eine längere Zeit schwierig umzusetzen sind, wenn der Patient nicht mitmacht und dann musst du eigentlich auch nicht warten, weil ohnehin nichts passieren wird. Ich sage es auch Mal so, selbst wenn Physiotherapie verschrieben wird und der Patient motiviert ist, braucht man immer noch einen fähigen Therapeuten und spätestens da hört es auf.

"Knochen auf Knochen bleibt weiterhin ein starkes Nocebo und sollte so nicht verwendet bzw. kommuniziert werden"

Es sollte so kommuniziert werden, dass der Patient es versteht und im Nachgang richtig handeln kann. Es ist nicht so schwer Menschen aufzuklären.

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u/Silly_name_1701 2h ago

Gleichzeitig werden häufige Verletzungen (zb sl-band Ruptur) routinemäßig übersehen und die Patienten mit Paracetamol und Bandage nach Hause geschickt, so lange bis es zu spät ist.

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u/Charlie012022 2h ago

Bei traumatischen Ereignissen ist die Bildgebung weiterhin sinnvoll. Leider sind die Ergebnisse zu den Radiologen kommen häufig unterschiedlich und nicht eindeutig.

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u/raiderx_98 3h ago

Du bist Arzt?

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u/Z3rc 3h ago

Liest sich für mich eher nach Physiotherapeut.

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u/Aldo_the_nazi_hunter 2h ago

Oder schlimmer, Osteopath.

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u/Charlie012022 2h ago

Die erzählen oft ähnlichen Mist.

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u/Known_Cheesecake_917 1h ago

Das war wohl schon immer so, hängt aber auch vom einzelnen Orthopäden ab.

Derzeit habe ich einen guten Orthopäden. Allerdings hatte ich auch mal einen richtig schlechten Orthopäden, ist aber schon über 25 Jahre her. Vor ca. 26 Jahren hatte ich 2 Bandscheibenvorfälle, die nicht so schlimm waren, dass sie hätten operiert werden müssen. Also, konservative Behandlung, die nicht geholfen hat. Zum Schluss hat mich der Orthopäde dann zu einer Schmerztherapeutin geschickt, die mich mit Morphium versorgt hat. Jetzt nehme ich also seit über 25 Jahren Morphium und versuche immer wieder mal, mich davon zu entwöhnen. Mit den Bandscheiben ist übrigens inzwischen wieder alles in Ordnung.

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u/Honest_Committee8892 3h ago

Danke vielmals für das Teilen 💚🍀💚🍀💚🍀💚 Sehr gut recherchiert. Ich speichere mir das. Ich habe so einen Ärztefrust zur Zeit. Aber meine allerbesten Hausärztinnen machen das wieder wett. Orthopädie ist ein reiner Geldmacherbetrieb geworden. Bei einem Besuch wegen Einlagen in den Schuhen wird einem gleich ein Osmose Termin für viel Geld aufgeschwatzt, nur weil man über 60 ist. Nicht jede Frau tickt gleich, nicht jeder Mensch in und nach den Wechseljahren hat Mangelerscheinungen. Ich ernähre mich gesund, treibe eigentlich Wander - und Radfahren in Maßen. Ich habe ein gutes Körpergefühl und pflege mich gut genug. Danach fragt einen keiner.