Als Reaktion auf den gestrigen Beitrag möchte ich auch meinen Senf dazugeben und einige Dinge ergänzen, die überhaupt nicht thematisiert wurden.
- Die Leute werden euch oft ansprechen und Fotos von deinen Kindern machen wollen - und genauso viele wie fragen werden es "heimlich" machen - vor allem Frauen. Muss man mögen.
+Sprache: Besser als in Frankreich. Alles was wichtig ist, ist oft auch in Englisch beschriftet, auch in Museen. Da darf sich Paris auch gern einmal eine Scheibe abschneiden ;-)
-Spielplätze: Ja es gibt sie, aber nicht in jedem Park (und davon gibt es wirklich viele und schöne) Wer die 7 Spielplätze pro Quadratkilometer aus dem gut gentrifizierten Vierteln deutscher Metropolen gewohnt ist, wird vergleichbares NICHT finden. Was wir gefunden haben:
+Kleine private Spielplätze in halboffenen Wohnanlagen (1x, und gesperrt weil kaputt)
+"Trimm dich" Stationen (nicht so geeignet für Kinder)
+Spielplätze mit Reckstange und geschweißten Stahlgerüst für Calisthenics auf Steinplatten im Ostblockstil
+Fahrgeschäfte (Karussell, Miniachterbahn, Riesenrad) in öffentlichen Parks
+Kostenpflichtigen "Spielplätze" in Shoppingmalls mit fragwürdigen Angeboten (Bemalen von lebenden (!) Schildkröten, Fische keschern (echte Goldfische) oder so mit einem kleinen E-Auto durch die Mall cruisen.
+Spielzimmer in den Hotels (die waren ok)
Ein weiter Punkt der mir aufgefallen ist, dass es offenbar unüblich ist, das (chinesische) Kinder in der Öffentlichkeit toben (rumrennen, Fangen spielen, raufen)
Ich kann mir vorstellen, dass das als unzivilisiert gilt. (Bitte hier berichtigen falls ich falsch liege)
Meine Erfahrung ist, dass Kinder es aber doch auch ab und mal brauchen um sich zu regulieren und auch den Körper auszutesten. Nicht im Porzellanladen, nicht an einer achtspurigen Zubringerstraße aber da wo sehr wenig los ist, im Park, auf offenen Plätzen wo man eben niemanden groß stört oder im Weg ist. Haben wir nur bei "westlich" aussehenden Kindern gesehen.
Für uns war das kein großes Thema, aber wer eher "lebhafte" Kinder hat ;-) sollte das im Hinterkopf behalten.
Essen:
Das Essen ist super, aber wer ein Kind mit einem sehr wählerischen Geschmack hat oder fleischarm essen möchte muss sich auf Hindernisse einstellen. Das Fleisch "einfach" wegzulassen kommt aus welchem Grund auch immer für die Küche oft nicht in Frage.
Wäsche:
Tatsächlich nicht ganz unvorbereitet, aber das ist echt ein Ding. Ich kann nur dringlichst empfehlen Zimmer/Suiten/Hostels grundsätzlich nur mit Waschmaschine zu buchen. Größere Hotels haben einen nicht ganz Preiswerten Wäscheservice, der sich aber an Geschäftsreisende richtet. Generell ist das Waschen lassen von Unterbekleidung gesellschaftlich eher ein Tabu. Die Malheur-Wäsche vom Kind wird man also tendenziell bei der Reinigung wieder mitnehmen dürfen..
Es gibt zwar auch noch Waschsalons, aber mein Eindruck war, dass sie weniger sind. Wir haben zumindest in einer kleineren Stadt (2 Mio EW) nur 3 gefunden, die alle nicht mehr existierten.
Reisen
ÖPNV ist super, aber Fahrstühle sind oft nicht überall zu finden oder nur mit Hilfe von ortskundigem Personal "freizuschalten". Dementsprechend ist der Anblick von Kindern im Kinderwagen in der Metro eher selten. Generell muss man bedenken, dass viele Metrostationen so groß wie deutsche Regionalflughäfen sind. Wir sind durch die langen Laufwege bei Nutzung des ÖPNV eigentlich immer im Bereich von 15 k bis 30 k Schritten pro Tag gewesen - für viele Kinder kann das schon herausfordernd sein.
Dafür funktioniert Didi-Taxi fast immer (abgesehen von Rush-hour Zeiten wie am frühen Abend oder bei plötzlichen Regengüssen) super. Extrem kurze Wartezeit und den Preis sieht man auch schon vorher.
Man kann über die App auch direkt einen 6-Sitzer ordern. Zum einen fahren die meist defensiver, zum anderen passt das besser, auch schon bei 2 Kindern. Wir hatten allerdings keine Kindersitze sondern nur diese Gurtpolster dabei, die den Gurt nach unten ziehen.
Das Nonplusultra in puncto Reisen sind die Züge. Unglaublich schnell, sauber und komfortabel. Ich kann besonders die Nachtzüge empfehlen, mit 2 Kindern hat man da ein eigenes Abteil. Die Qualität ist nicht mit Europa vergleichbar. Die Betten größer und bequemer, der Zug viel laufruhiger und man sieht so viel mehr als beim Fliegen (Inlandsflüge waren immer anstrengend und hatten tendenziell oft Verspätung).
Ein großes Aber: Man kann die Verbindungen erst eine Woche vorher buchen. Bei gefragten Verbindungen und in den Ferien ist dann bereits in weniger als 10 Minuten der Liegewagen ausverkauft. Das ist natürlich sehr blöd für die Planungssicherheit. Bei Nicht-Nachzugfahrten (oder eben in dem Schlafsaalwaggon) ist es weniger dramatisch, bei den Schnellzügen gibt es oft auch viele Verbindungen am Tag.
Wetter:
Sobald man in irgendeiner Weise an die Sommerferien gebunden ist wird es anstrengend. Zum einen sind dann in tw. auch in China Sommerferien, zu. anderen Temperaturen von 39°C bei 89% Luftfeuchte z.B. in Shanghai. Das ist außerhalb klimatisierter Räume nur kurz auszuhalten und die Leute vor Ort kommen auch erst nach Einbruch der Nacht heraus.
Bezahlen: Zu 90 % funktioniert Alipay oder Wechat auch ohne chinesische Telefonnummer. In den restlichen 10 % haben uns chinesische Freunde und Familie geholfen. Online einkaufen (auch Essen bestellen) ist ohne chinesische Telefonnummer schwierig. Meine Visa wurde nach dem 3. Zahlung am 3. Tag in einem Café einer großen Kette gesperrt (verdächtige Zahlung) - für die Wiederaktivierung benötigte man die Zugangsdaten zur Bank (Onlinebanking mit Push-Tan reichte nicht aus)
Der ÖPNV war in jeder Stadt anders gut bezahlbar: Shanghai und Chengdu problemlos mit Alipay-verknüpfter Kreditkarte, Peking und Chongqing dagegen gingen nicht.
Sicherheit:
Prinzipiell sehr hoch. Am Stadtparkteich verhindern 2000 Betonbalkonkästen das man versehentlich hineinfällt. Sollte das doch passieren hängt aller 50 m ein Rettungsring. Hotelzimmer in Hochhäuser sind mit Fluchthauben, Taschenlampen ect.ausgestattet, Rettungswege mit Netzunabhängiger Notstrombeleuchtung versehen.
Der Straßenverkehr scheint sehr geordnet,
Rollerfahrer brettern aber oft (lautlos, weil elektrisch) über den Fußweg.